Schifffahrt-Situation

Die aktuelle Schifffahrtssituation erklärt – und was Experten empfehlen

2020 war für viele Unternehmen auf der ganzen Welt ein herausforderndes Jahr. Während der Welthandel weitergeht, hat die Pandemie zu veränderten Kaufgewohnheiten und einer unvorhersehbaren Nachfrage geführt – was wiederum in Versandverzögerungen resultiert. Nun fragen Sie sich vielleicht, wie lange diese Verzögerungen anhalten und was Sie tun können, dass Ihre Fracht pünktlich ankommt. Deshalb haben wir die wichtigsten Informationen für Sie zusammengefasst.

Was Sie in diesem Artikel lernen werden:

  • Was gerade in der Schifffahrt passiert und warum
  • Was Experten über die aktuelle Situation sagen
  • Was die Vorhersagen für die nächsten Monate sind
  • Wie Sie sicherstellen können, dass Ihre Logistik reibungslos abläuft

22. Januar 2021

Der internationale Handel hat in 2020 enorme Schwankungen erfahren, angefangen bei Lockdowns bis zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie, die die Geschäftstätigkeit im Frühjahr verlangsamte, bis hin zu einer wachsenden Containernachfrage, die durch drastische Änderungen des Verbraucherverhaltens in der zweiten Jahreshälfte ausgelöst wurde. Infolge der höheren Nachfrage haben wir festgestellt, dass die Schiffsraumkapazität und die Verfügbarkeit leerer Container an bestimmten Standorten wie in China deutlich geringer sind und eine dynamische Preisbildung nach oben getrieben hat.

Mit Blick auf das neue Jahr wird erwartet, dass die Nachfrage anhält, jedoch sich die Situation aufgrund der vorherrschenden Pandemieumstände schnell ändern kann. Lieferketten sind meist komplex gestaltet,  daher ist es wichtig, die Nachfrage zu bewerten und den Transport Ihrer Fracht im Voraus zu planen, um besser auf die nächsten Monate vorbereitet zu sein.

Was ist in den letzten Monaten passiert?

COVID-19 hat nicht nur unser soziales Leben und die Vorsichtsmaßnahmen auf der ganzen Welt beeinflusst. Es hat auch zu Störungen in der Weltwirtschaft geführt – einschließlich der Schifffahrts- und Transportmärkte. Während des weltweiten Lockdowns im ersten Halbjahr 2020 wurden die meisten Einzelhandelsläden geschlossen und die weltweite Nachfrage ging zurück. Als Reaktion darauf folgte die Containerschifffahrt die Kapazität anzupassen und die Anzahl der versandten Container zu verringern, um selbige die Containerschifffahrt überhaupt aufrecht halten zu können.

Globale Lockdowns führten weiterhin auch dazu, dass die Nachfrage nach Dienstleistungen wie Reisen stark zurückging. Seit Juni hat die Nachfrage nach Konsumgütern insbesondere in der westlichen Welt stark zugenommen – was in vielen Ländern durch staatliche Anreize gefördert wurde. Daher stieg der Umsatz von Konsumgütern, Elektronik, Textilien, persönlicher Schutzausrüstung (PSA) und Heimwerkerprodukten wie Werkzeugen deutlich an.

Richard Bingham, Global Sales Director bei Maersk, beschreibt, dass COVID-19 die Herausforderungen für die globale Fertigung und Beschaffung hervorgehoben hat. Da „viele Unternehmen von der COVID-19-Pandemie mit unzureichenden Lagerbeständen überrascht wurden“, wollten sie „einen Verkaufsverlust vermeiden“ und erhöhten daher ihre Lagerbestände. Weil die Verbraucher ihre Nachfrage änderten und nach anderen Produkten fragten, mussten Unternehmen schnell andere Produkte herstellen, um sich Geschäftsmöglichkeiten nicht entgehen zu lassen.

Richard Bingham, Global Sales Director bei Maersk:

“Dies ist verbunden mit dem Rückgang der Käufe im Einzelhandel in vielen westlichen und entwickelten Ländern, da die Menschen immer mehr auf E-Commerce umsteigen. Da die Menschen im Großen und Ganzen immer noch ihr Einkommen haben und sie nicht auf die gleiche Weise reisen oder Geld ausgeben können, investieren sie in ihr Haus oder Garten und benötigen dazu die entsprechenden Produkte. Diese Artikel werden in der Regel in Containern versandt, und deshalb verzeichnen wir bei Maersk in den meisten Ländern, in denen wir tätig sind, seit Beginn der Pandemie paradoxerweise eine unglaubliche Nachfragezunahme nach Waren, die üblicherweise in Containern transportiert werden.“

Die meisten dieser Waren werden in Asien hergestellt und sowohl in Europa als auch in den USA gekauft. Kathy Li Li Lou, Business Product Owner für Ocean bei Maersk, erläutert, dass viele dieser Konsumgüter dann auf Strecken von Asien in die USA sowie von Asien nach Europa transportiert werden. Daher nahmen die Exporte aus Asien, insbesondere nach Europa und in die USA, im Laufe des Jahres erheblich zu. So hat der kalifornische Hafen Los Angeles-Long Beach von Juni bis September 12% mehr Importe aus Asien in die USA abgewickelt als im gleichen Zeitraum in 2019.

Vor diesem Hintergrund setzten unsere Partner und Maersk sofort alle verfügbaren Kapazitäten ein und stellten mehr Container und alternative Transportmittel zur Verfügung, um mehr Waren auf diesen Strecken zu transportieren. Angesichts der derzeitigen Infrastruktur- und COVID-19-Beschränkungen konnte diese Nachfrage jedoch nicht innerhalb einer so kurzen Zeit gedeckt werden.

Was ist der Status Quo in der Schifffahrtsbranche?

Es war ein herausforderndes Jahr für den Transport- und Logistiksektor. Während des Lockdowns im Frühjahr schien die Nachfrage der Verbraucher nach Waren einzubrechen  – heute ist die Herausforderung eine andere: Die Versandkapazität steht unter Druck und die Frachtpreise steigen.

Darüber hinaus erreichen Schiffe die Häfen nicht planmäßig, da sie längere Wartezeiten für das Laden und Entladen in den Häfen haben. Dies wird als Überlastung bzw. „Congestion“ des Hafens bezeichnet. Sie müssen sich förmlich wie einer Warteschlange anstellen und warten, bis ihnen ein Be- und Entladezeitfenster im Hafen angeboten wird. Um diese Situation zu entschärfen, setzen viele Frachtführer neue Maßnahmen um – zum Beispiel indem sie die Standzeit an den Bestimmungsorten verkürzen oder manchmal Häfen gar nicht anfahren und alternative Vorkehrungen treffen, um die Ladung der Kunden zu liefern, um Verzögerungen zu vermeiden bzw. wieder aufzuholen.

Lars Mikael Jensen, Senior Vice President und Leiter des Netzwerks bei Maersk, erklärt, dass diese verzögerten Operationen in vielen Häfen auf der ganzen Welt nicht nur auf größere Mengen zurückzuführen sind, sondern auch darauf, dass viele Arbeiter von COVID betroffen sind – „was zu einer Reduzierung von Arbeitskräften in einigen Häfen führt.“ Mit einem zusätzlichen Mangel an Lagerfläche und Lkw-Fahrern können wir sehen, dass „jeder Teil der Lieferkette betroffen ist“.

Was passiert als nächstes?

Bei fortgesetzten Einschränkungen wird erwartet, dass sich das Einkaufsverhalten so fortsetzt wie im letzten Quartal in 2020. In den nächsten Monaten bleiben die Kapazitätsengpässe bestehen. Die Engpässe werden sich mindestens bis zum chinesischen Neujahr Mitte Februar 2021 fortsetzen, bis die Fabriken in Asien wegen der Feiertage zum Chinesischen Neujahresfest geschlossen werden und Überhänge versucht werden abzufahren.

Lars Mikael Jensen, Senior Vice President and Head of Network bei Maersk:

„Wir gehen davon aus, dass der Ansturm bis zum chinesischen Neujahr und möglicherweise auch danach noch anhält. Wir glauben jedoch, dass es sich in der ersten Hälfte des Jahres 2021 von selbst lösen wird. Ob dies dann im März oder Mai ist, hängt von den Konsumausgaben in den nächsten Monaten ab.“

Richard Bingham fügt hinzu, dass die Regierungen ihre wirtschaftlichen Anreize nicht unendlich verlängern werden, was wahrscheinlich zu einem Rückgang der Verbrauchernachfrage im Jahr 2021 führen wird. Die weitere Entwicklung wird auch davon abhängen, ob die COVID-19-Beschränkungen aufgehoben werden oder nicht – sowie von der Verfügbarkeit des Impfstoffes, welcher derzeit weltweit in Umlauf gebracht wird. Sobald es mehr Impfungen geben wird, wird sich die Situation voraussichtlich wieder normalisieren.

Was können Sie jetzt tun, um logistische Herausforderungen zu reduzieren?

Wir wissen, dass Sie als kleines oder mittelständisches Unternehmen (KMU) nicht ewig auf den Transport Ihrer Seefracht warten können. Richard Bingham betont: „Viele unserer Kunden haben mit den Verzögerungen und hohen Preisen zu kämpfen, die sie momentan erleben.“ Was müssen Sie also tun, um die aktuellen Herausforderungen zu bewältigen?

Wir haben die wichtigsten Schritte zusammengefasst, die Sie jetzt unternehmen sollten, um Ihre Lieferkette aufrechtzuerhalten:

  1. Nehmen Sie Kontakt mit Ihren Lieferanten auf: Sprechen Sie mit ihnen und prüfen Sie, ob sie Ihre Fracht früher oder später als vereinbart liefern können, wenn Sie mit zeitlichen Einschränkungen konfrontiert sind.
  2. Setzen Sie sich mit Geschäftspartnern und Kunden in Verbindung: Es ist wichtig, Ihre Geschäftspartner und Kunden über Verzögerungen zu informieren. Wie Martti Leitert, Country Manager DACH bei Twill, erklärt, sollten Sie jetzt „mutig Entscheidungen treffen“. Er empfiehlt weiter: „Sprechen Sie mit Ihren Partnern und machen Sie sie darauf aufmerksam, dass die Pandemie die globalen Lieferketten verändert hat. Partner sollten zusammenstehen, um die Transformation zu einem neuen Verbraucherverhalten zu verstehen.“
  3. Sprechen Sie mit Ihrem Logistikdienstleister: Fragen Sie nach alternativen Routen – Ihr Dienstleister ist der Experte auf seinem Gebiet und kann Ihnen helfen, lange Wartezeiten in den nächsten Monaten zu vermeiden. Möchten Sie mit Twill Seefracht transportieren? Dann können Sie jetzt mit einem unserer Twiller chatten und ihn per E-Mail oder Telefon kontaktieren.
  4. Betrachten Sie einen alternativen Transportmix: Das Transportmittel ist ein wichtiger Punkt bei der Planung Ihres Frachtversands – insbesondere gerade jetzt. Neben den Kosten müssen die Dringlichkeit der Sendung, der Wert der zu versendenden Waren sowie die Größe und das Gewicht der Waren bei der Bestimmung der Transportart bewertet werden.
  5. Denken Sie voraus: Ist Ihre Fracht nicht zeitkritisch und muss daher nicht dringend am Ziel ankommen? Dann buchen Sie Ihre Fracht jetzt im Voraus – damit können Sie Ihrer gesamten Transportzeit einen Puffer hinzufügen. Behalten Sie auch das Chinesische Neujahrsfest 2022 im Auge und beginnen Sie rechtzeitig, einen etwas höheren Sicherheitsbestand aufzubauen, um eine “Stock-Out”-Situation mitten in der Hochsaison zu vermeiden.
  6. Alternative Häfen finden: Überprüfen Sie größere Häfen als die, in denen Sie normalerweise Ihre Fracht laden würden. Dort ist es einfacher, verfügbaren Laderaum und Equipment für Ihre Fracht zu finden.
  7. Wählen Sie verschiedene Containertypen: Normalerweise verwenden Sie 40 Fuß-Container, um Ihre Fracht zu transportieren? Das kann momentan problematisch sein. Da die Kapazitätsbeschränkungen insbesondere für 40-Fuß-Container gelten und meistens 20-Fuß-Container noch verfügbar sind, ist dies möglicherweise ein weiterer Containertyp, der für Ihre Fracht in Betracht gezogen werden kann.

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich einfach an einen unserer Twiller. Sie sind hier, um Ihre Geschäfts- und Logistikabläufe in diesen beispiellosen Zeiten zu unterstützen – rund um die Uhr, egal wo Sie sich befinden. Und sie kümmern sich nicht nur um Ihre Seefracht, sondern auch um weitere Services wie den Inlandstransport oder die Zollabfertigung Ihrer Waren.